Boot-Fitting - Ein perfekter Skischuh

Der Boot-Fitting Experte Fabian-Stiepel von Bründl Sports über Schuhe, Füße und weshalb der Ski nicht das wichtigste beim Skifahren ist.

Welche Möglichkeiten des Skischuhfittings gibt es?

1) Die einfachste Variante ist die Möglichkeit die Schale in einem speziellen Skischuhofen zu erhitzen, um den weichen Kunststoff an das Bein bzw. den Fuß anzupassen. Unterschiede gibt es hier beim Material verschiedener Hersteller, da bei manchen das Material mehr Formbarkeit zulässt als bei anderen. Manche schaffen nur ein Änderungspotential von 1-2mm, was in vielen Fällen einfach zu wenig ist um bestimmte Probleme zu lösen.


2) Die derzeit gängigste Variante des Bootfittings ist das punktuelle Bearbeiten von Problemstellen. Dazu gehört zunächst die Analyse bzw. das Herausfinden von Problemstellen oder Problemzonen.

Diese werden am Fuß bzw. an der Schale markiert. Mittels Heißluftfön wird die Schale mit der richtigen Temperatur erhitzt. Der Schuh wird inkl. Innenschuh angezogen, geschlossen und in der richtigen Position gehalten bis die Abkühlungsphase abgeschlossen ist. Diese Technik ist für die meisten im Handel erhältlichen Skischuhe geeignet und wird „ambulant“ durchgeführt.



3) Der Einsatz von Ausdruckpressen ist auch möglich, dauert aber meistens länger.

4) Aufgrund der dickeren Schale können Rennschuhe auch an Druckpunkten ausgeschliffen werden. Dies ist bei leichten Schuhen wie zum Beispiel bei Touren Skischuhen nicht möglich. Bei herkömmlichen Handelsmodellen wäre das Ausschleifen der Schale eher nur im Fersenbereich möglich, da auch diese eher eine dünnere Schalenwand aufweisen.

5) Innenschuhe werden von den Herstellern in einem 3D Verfahren vorgeformt. Die Form entspricht einem „Durchschnittsfuß“ was soviel bedeutet, dass der eigene Fuß durchaus von diesem Durchschnitt aller vom Hersteller vermessenen Füße abweichen kann. Nach dem 1. oder 2. Skitag sollte man spüren, ob es hier zu Problemen kommt. Auch hier wird ein Hitzeverfahren angewandt um die Knöcheltasche des Innenschuhs an den eigenen Knöchel anzupassen. Der Knöchel wird abgeklebt um im entsprechenden Bereich mehr Platz herzustellen.


Mit welchem Skischuh-Problemen bist du am häufigsten konfrontiert?

  • Schienbein: Bei 90% der Gäste ist der Sitz im Manschettenbereich zu locker. Das verursacht eine schlechte Druckverteilung im Schienbeinbereich und schafft damit auch Reibungspotenzial. Die Schuhzunge sollte vom Sprunggelenk bis zum Zungenende gleichmäßigen Druck gewährleisten. Zwischen Wade und Schale sollte kein handflächenbreiter Abstand entstehen.


  • Kleiner Zeh - Innenknöchel – Kahnbein: Probleme in diesen Bereichen kommen oft gemeinsam vor. Ursache ist dafür ein Nach-Innen-Knicken des Unterschenkels/Sprunggelenks. Dadurch entstehen die Druckpunkte am Innenknöchel und am Kahnbein, gleichzeitig auf der Gegenseite an der kleinen Zehe. Die Lösung ist hier oft die Verwendung einer Einlage um der Pronation, dem Nach-Innen-Abwandern von Knöchel und Kahnbein vorzubeugen.


Gibt es Gefahren oder negative Folgen, wenn man Schuhprobleme ignoriert?

An Knöchernen Druckstellen können Überbeine entstehen. Der kleine Zeh wird groß und verursacht zunehmend größere Probleme im Skischuh. Druckstellen und Reibungspunkte können zu Blasenbildung und im schlimmsten Fall zu Entzündungen führen, die das Saisonende bedeuten können. Zu kleine Skischuhe können durch permanente Stoßkräfte unter anderem zu blutunterlaufenen Zehennägel führen.

Welche Fehler sollte man beim Skischuhkauf unbedingt vermeiden?

  • Nicht zu groß kaufen: trägere Kraftübertragung, Reibestellen, sowie das „Schwimmen“ im Schuh, sollten unbedingt vermieden werden.

  • Nicht zu hart kaufen: Ein hoher Flex ist nicht zwangsläufig besser. Die Härte des Schuhs muss zu Können und Einsatzbereich passen.

  • Die Sohlenlänge sollte man eher kurzhalten. Eine genaue Passform ist wichtig für die Kraftübertragung und Passform.

  • Einen Skischuh kauft man nicht im Vorbeigehen. Für den Skischuhkauf sollte man mindestens eine Stunde einplanen.


Was erscheint dir sonst noch wichtig zu diesem Thema?

Der Skischuh ist das wichtigste Werkzeug eines Skifahrers, wenn der nicht passt, bringt der beste Ski auch nichts. Der Schuh stellt die Verbindung zwischen Körper und Ski dar. Besser ist, in den Schuh 200-300 Euro mehr investieren und beim Ski etwas sparen als umgekehrt.

Außerdem sollte man sich einen Termin bei einem guten Bootfitter vereinbaren, um sich seinen Schuh richtig anbiegen zu lassen.



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