Carving 2.0

Obwohl Carven für viele Skifahrer die Motivation ist, mit dem Skifahren zu beginnen oder sich zu verbessern, wissen die meisten gar nicht, was Carvingschwünge auszeichnet. Charakteristisch ist das geschnittene Skifahren entlang der Taillierung, mit großem Kantwinkel und Schräglagen, wobei extreme Fliehkräfte wirken und große Dynamik entsteht. Es haben aber selbst jene, die diese Definition kennen, häufig Probleme mit der richtigen und sicheren Umsetzung dieses theoretischen Wissens.

Carving Demonstration

Carven setzt nämlich großes skifahrerisches Können und die Kenntnis der eigenen Grenzen voraus. Einen Skianfänger trennen vom perfekten Carvingschwung daher meist zahlreiche Übungsstunden und -tage – auch abseits der Skipisten: Denn für kontrolliertes Carven sind Konditions- und Krafttraining ebenso unbedingte Voraussetzungen wie eine generell gute sportliche Verfassung.


Was skifahrerisch nötig ist Wer Carven lernen möchte, muss zuerst die allgemeinen Grundsätze des Skifahrens beachten. Nur wer sich auf den Pisten sicher bewegt, kann sich weiterentwickeln. Aus der Sicht eines Skilehrers, wie wir es nun einmal mit Leidenschaft sind, versuchen wir diese Grundvoraussetzungen meist in der angeführten Reihenfolge zu vermitteln:

Mittellage für mehr Kontrolle!

1. Mittellage Die Position der Mittellage ist nicht nur für das Carven entscheidend, sondern sollte beim Skifahren immer eingehalten werden, egal ob beim Schussfahren, Bremsen, parallelen Skifahren oder schließlich beim Carven. Die Mittellage ist Voraussetzung, um beim Skifahren das Gleichgewicht zu halten. Zudem ermöglicht sie, dass der Körper in alle Richtungen bewegungsbereit ist – nach vorne oder hinten, talwärts oder bergwärts. Dafür muss der Körperschwerpunkt immer „zentral“ über dem Ski sein (weder nach vorne noch nach hinten gebeugt) und die gesamte Fußsohle gleichmäßig belastet werden (das Gewicht darf weder ausschließlich auf den Zehenspitzen noch auf der Ferse liegen).


Wenn man diese Position nicht einhält (z. B. bei Rücklage) und nicht bewegungsbereit ist, kann man auch nicht auf die Gegebenheiten der Piste reagieren, wie etwa kleine Buckel, eisige Stellen etc. Das ist schon beim langsamen Skifahren gefährlich, führt aber beim Carven – wo man deutlich schneller unterwegs ist und deshalb rascher handeln muss – dazu, dass die Fahrten außer Kontrolle geraten. Es kommt zu Stürzen oder sonstigen Gefahrensituationen.


Daher muss man die Mittellage meistern können, bevor man mit den Übungen für Carvingschwünge beginnt.


2. Außenskibelastung Während in den vergangenen Jahren häufig erklärt wurde, dass beide Skier gleichmäßig zu belasten sind, sollten derartige Halbweisheiten heute im Skisport keine Rolle mehr spielen. Oder wie Marcel Hirscher, der erfolgreichste Skifahrer aller Zeiten, so schön sagt: „Der Außenski ist der Chef.“

Der Außenski ist der "Chef"!

Wie schon bei der Mittellage gilt diese Erkenntnis wieder für alle Fahrtechniken im Skisport – für Kurven im Pflug ebenso wie fürs Carven. Der Außenski übernimmt die Führungsarbeit und gibt die Richtung vor. Natürlich wird der Innenski stets mitbelastet. Das gibt der Fahrt schon aus Gleichgewichtsgründen mehr Stabilität und ermöglicht eine bessere Reaktion auf unvorhergesehene Situationen. So kann dadurch z. B. verhindert werden, dass man an einer eisigen Stelle ausrutscht.


3. Wahl der Fahrspur Die Wahl der richtigen Fahrspur wirkt auf den ersten Blick nicht besonders schwierig, erfordert aber viel Übung und ein geschultes Auge. Jeder kennt das Gefühl: Fährt man hinter einem Profi her und wählt seine Fahrspur, fallen Kurven und auch Carvingschwünge gleich sehr viel leichter als alleine. Wichtig ist die Wahl der richtigen Fahrspur und des richtigen Radius vor allem, weil diese erst das gleichmäßige und rhythmische Carven ermöglichen, was wiederum die Kontrolle des Tempos erleichtert. Optimalerweise sollte die gewählte Spur einem Riesentorlauf ähneln. Sehr gefährlich, aber dennoch häufig auf Pisten zu beobachten, ist das Carven quer über die gesamte Piste – von einem Pistenrand zum anderen. Diese Fahrweise wird in der Regel von nicht so erfahrenen Carvern in dem Glauben gewählt, dadurch ihre Geschwindigkeit regulieren zu können. Tatsächlich gelingt dies aber deutlich besser durch ein Andriften zu Beginn der Kurve – das verringert zudem die Gefährdung anderer Pistennutzer. Zuletzt ist es auch wichtig, die einmal gewählte Fahrspur zu halten und diese nicht willkürlich zu ändern. Denn unvorhergesehene Richtungs- oder Radienwechsel können für andere Pistennutzer ebenfalls Notsituationen darstellen.

4. Material Neben der Verbesserung des eigenen Skifahrkönnens ist der Kauf des passenden Materials ein wichtiger Schritt in Richtung Carvingschwung. Das Material wird auch laufend verbessert und den Bedürfnissen der Skifahrer angepasst: Zu Beginn der Carving-Ära wurden eher kurze, sehr stark taillierte und „aggressive“ Skier hergestellt. Diese haben den Nachteil, dass sie nur schwer kontrolliert werden können. Zudem können sich im Ski so starke Kräfte anstauen, dass es zu sogenannten „Highsidern“ kommt, die wohl jeder von uns schon einmal gespürt oder zumindest beobachtet hat: Zum Ende der Kurve kann der Skifahrer die Kräfte nicht mehr beherrschen und wird „ausgehoben“. Heute empfehlen wir zum Carven daher längere, weniger taillierte Skier. Aufgrund der Länge verteilen sich die Kräfte und können auch von nicht so erfahrenen Skifahrern leichter beherrscht werden. Dadurch verzeihen diese Skier mehr Fahrfehler und der Fahrgenuss erhöht sich deutlich.


Die Wahl des passenden Skis fällt wegen der großen Modellvielfalt oft schwer. Es gibt Carvingskier für sämtliche Anforderungen, Fahrweisen, Könnerstufen etc. Hinzu kommt noch, dass viele Hobby-Skifahrer die Marke des von ihnen bewunderten Profis wählen möchten. Wichtig ist in jedem Fall die professionelle Beratung, um den Ski zu finden, der zu einem passt. Rennläufer haben andere Bedürfnisse als Skifahrer, die gemütlich, aber doch in Carvingschwüngen die Piste hinuntersausen möchten. Und wer zwar carven, aber auch gerne einmal im Tiefschnee fahren möchte, braucht wieder einen anderen Ski.


Auf den Schuh schauen Trotz Top-Beratung und der optimalen Skier passiert es oft, dass auf der Piste die Carvingschwünge nicht so gelingen wie gewünscht. Das kann schlicht und einfach auch am nicht passenden Skischuh liegen. Es kommt nämlich häufig vor, dass auf Skier viel mehr Wert gelegt wird als auf das übrige Material. Diese werden immer neu gekauft, wenn ein neues Modell verfügbar ist, oft sogar zu Beginn einer jeden Saison. Sitzen aber die Skischuhe nicht richtig und „schwimmt man im Schuh herum“, lassen sich selbst die besten Skier nicht richtig kontrollieren. Ein optimal passender Skischuh ist also mindestens genauso wichtig für den perfekten Carvingschwung wie der richtige Ski. Hat man einen „gut sitzenden“ Schuh gefunden, kann dieser natürlich über mehrere Saisonen getragen werden.


Ist man sich aber nicht sicher, ob der Skischuh so sitzt, wie er sitzen sollte, ist es am besten, diesen im Fachgeschäft überprüfen zu lassen. Alternativ kann die Passform der Schuhe ganz einfach zu Hause überprüft werden:

Kaufempfehlung: Bründl Sports in Kaprun

1. Die wichtigste Frage lautet: Schwimmt man im Skischuh herum oder sitzt er gut? Wichtig dabei ist vor allem ein perfekter Halt im Fersenbereich.

2. Entscheidend für den Carvingschwung ist auch, dass man das Knie bei geschlossenen Schuhen weit genug nach vorne drücken kann, sodass sich dieses nicht mehr gerade über dem Knöchel befindet(=Knievorlage). Mit Komfortskischuhen, die „aufrechter“ gefertigt werden, ist dies schwerer möglich als mit sportlicheren, die schon von außen betrachtet eine entsprechende Vorlage haben.

3. Es sollten zuletzt auch noch die zahlreichen Anpassungs- und Einstellungsmöglichkeiten des Skischuhs überprüft werden. Wenn diese richtig gewählt werden, bringen sie oftmals eine deutliche Besserung des Sitzes und der Position.


Abschließend kann nur festgehalten werden: Carving mag in Lehrbüchern schwierig und theoretisch wirken, aber wie bei jedem Sport kann auch der Carvingschwung mit genug Übung von jedem erlernt werden. Und hat man die Technik einmal gemeistert und carvt tatsächlich im Sonnenschein eine frisch präparierte Piste hinunter, dann ist dieses Gefühl mit nichts auf der Welt zu vergleichen.

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