Zu zweit in der Erfolgsspur

Text: Martin Obermayr / Fotos: Sebastian Kislinger, Arvid Auner (@arvideo), FIS

Alexander Payer und Sabine Schöffmann

Sabine Schöffmann und Alex Payer jagen im Snowboard-Weltcup nach Punkten und sind auch abseits der Pisten ein Pärchen. Das erleichtert vieles im Leben: den Umgang mit Niederlagen, den Genuss des Erfolgs, die Überwindung im Training, die Freude am Reisen und die bessere Vermarktung. Eine gemeinsame Leidenschaft ist auch die Suche nach dem perfekten Untergrund fürs Carven.


Alex Payer Carving

Sie kennen sich schon seit Kindertagen und sind ganz nah voneinander in Kärnten, Österreichs südlichstem Bundesland, aufgewachsen. „Ich bin bei Snowboard-Rennen gegen Sabines Bruder gefahren“, erinnert sich Alex Payer, der um drei Jahre älter ist als seine heutige Lebenspartnerin Sabine Schöffmann. Wieder aufeinandergetroffen sind die beiden dann um 2012 herum, als Alex im Weltcup-Team des Österreichischen Skiverbands Fuß fasste. Sabine war damals schon in der höchsten Klasse dabei. Im Jänner 2016 feierten die beiden ihren ersten gemeinsamen Triumph – und das ausgerechnet beim Heim-Event in Gastein: Sie gewinnen den Teambewerb im Parallelslalom. Etwa ein Jahr später funkt es dann auch privat zwischen der Ausnahme-Boarderin und ihrem genauso talentierten Teamkollegen. Im Jänner 2018 wiederholen sie dann als Pärchen den Weltcup-Sieg im Team in Gastein. Dass es besonders schön ist, wenn man gemeinsam Erfolge feiert, liegt auf der Hand. Aber gerade bei Niederlagen und in nicht so guten Phasen unterstützen sich die beiden gegenseitig, wie Alex betont: „Ich bin ja eher der stressigere Typ von uns zwei. Sabine hilft mir da sehr, dass ich etwas runterkomme. Das ist schon fein, wenn man mit seinen Problemen nicht allein ist.“ Auch Sabine genießt das Zusammensein während der Wettkampfsaison. „Wir teilen uns ja bei den Schneetrainings und Rennen das Zimmer. Das ist dann einfach ein Stück Familie, das man immer mit dabei hat.“


Sabine Schöffmann und Alex Payer privat

Sport, Reisen und neue Orte zu entdecken sind sowieso die großen Leidenschaften des Power-Pärchens, das mittlerweile auch für Sponsoren immer interessanter wird. So nutzen die beiden jede Möglichkeit, um abseits vom Wettkampf- und Trainingsalltag so viel wie möglich zu erkunden. „Wenn wir beim Rennen in Moskau sind, dann lassen wir uns eben von einer russischen Kollegin Dinge und Gegenden zeigen, die man sonst nicht sieht“, erzählt Sabine. „Oder einmal hatten wir im November zwischen zwei Trainingsblöcken in Colorado vier Tage frei. Da sind wir dann nach Utah gefahren und sind am berühmten Castleton Tower geklettert – so eine Tour macht man auch nur einmal im Leben“, fügt Alex hinzu. Die größte Begeisterung für die beiden bleibt aber immer noch, den besten Schnee für ihre Carving-Künste auf dem Snowboard zu finden. Daher beschäftigen sie sich intensiv mit den verschiedenen Schneearten, die auf den unterschiedlichen Kontinenten herrschen. Speziell für das „Insight Magazine“ nehmen uns Sabine und Alex nun mit auf eine Reise zu ihren Top-Carving-Spots des Planeten. Bitte anschnallen und die Aussicht genießen!


Auf der Suche nach dem bestem Schnee zum Carven

Auf der Suche nach dem perfekten Maschinenschnee

Text: Sabine Schöffmann & Alex Payer


Diese Aussage mag auf den ersten Blick unverständlich anmuten, doch was für den Freerider der unverspurte Powderhang ist für den Alpinboarder der perfekte Kunstschneehang. Nichts bringt das Carverherz mehr zum Lachen als eine optimal präparierte Piste mit einem mittleren Gefälle. Auf diesem Untergrund lassen sich einfach die besten Turns in den Schnee zeichnen und das Spiel mit der Schräglage ausleben. Seit unseren Kindestagen sind wir diesem Gefühl der Fliehkräfte verfallen. Einmal Carver, immer Carver. Auch wenn wir als Mitglieder des österreichischen Nationalkaders den Großteil unserer Zeit zwischen den Toren verbringen, so ist es doch immer noch das Gefühl auf einer 2-Millimeter-Kante über die Pisten zu heizen, was uns antreibt und was wir lieben.


Sabine Schöffmann auf der Ideallinie

Im Laufe der Jahre hatten wir die Möglichkeit, unterschiedliche Kontinente und Länder zu bereisen. Alles mit dem einen Ziel, den perfekten Lauf oder zumindest den perfekten Schwung zu fahren. Auf diesen Reisen lernten wir unterschiedlichste Schneearten und Pistenbedingungen lieben und hassen. Sei es der ultra-aggressive Schnee in den Rocky Mountains, die ständig wechselnden Bedingungen auf Japans Nordinsel Hokkaido oder die eisigen Bedingungen in den heimischen Kärntner Skigebieten. Jeder Spot hat seine Besonderheiten, auf welche man sich im Speziellen einstellen muss. Für uns bedeutet das meistens zu Beginn „Gewöhnung an den Untergrund“, gefolgt von Adaptierung der Kantenbeschaffenheit. Diese Einstellungen sind notwendig, um auf jedem Untergrund erfolgreich sein zu können. Mittlerweile gelingt uns das überall doch recht brauchbar – außer in der norddeutschen Skihalle „Wittenburg“: Falls jemand für diesen schrägen Eislaufplatz Tipps hat, nur raus damit! Am liebsten sind wir jedoch immer noch auf heimischem Schnee unterwegs. Hier haben wir das Carven gelernt und kennen das Liftpersonal zum Teil beim Vornamen. Wir haben in Kärnten zwar nicht die längsten, aber bestimmt die bestbeschneiten Hänge der Welt.

Regionen und Schneearten

Rocky Mountains, Colorado (USA)

Wenn es einen Himmel auf Erden für Carver gibt, dann bestimmt in den nordamerikanischen Rocky Mountains. Hier liegen die Skigebiete auf Höhen weit über 3000 Meter, was grundsätzlich schon eine Besonderheit darstellt. Doch die Trockenheit, welche dieser Schnee aufweist, ist unerreicht. Durch die extreme Höhenlage taut der Schnee untertags nicht im Geringsten auf und behält somit seine vielschichtige Struktur länger. Hinzu kommt das amerikanische Grundsatz-Lebensgefühl „bigger = better“. Und genauso bauen sie ihre Pisten in die mittelsteilen Hänge der Rockys. Kilometerlang und ewig breit schlängeln sich diese durch die Wälder.

Carvingpunkte 10/10

Secret Garden (China)

Das Austragungsland der nächsten olympischen Winterspiele kann mit jeder Menge Superlative aufwarten. Bevölkerungsreichstes Land der Erde, Exportnation Nummer eins oder längste Mauer der Welt. Hier ist wirklich nahezu alles möglich, auch Boarden und Skifahren – und das zum Teil richtig genial. Das von uns besuchte Skigebiet liegt laut offizieller Beschreibung drei Stunden nördlich von Peking. Diese Zeitangabe ist jedoch nur realistisch, wenn a) China nicht über diese unglaubliche Menge an Einwohnern verfügen würde und b) der Busfahrer seinen Tempomat nicht auf die maximal erlaubten 60 Stundenkilometer einstellen würde. Doch hat man es erst mal ins Skigebiet geschafft, wird man von perfekt gepflegten, leichten bis maximal mittelschweren Pisten empfangen. Die Schneequalität ist aufgrund der Nähe zur Wüste Gobi unglaublich kompakt und trocken – ähnlich den Bedingungen in den Rocky Mountains. Doch hier gibt es ein großes Aber: Die Nähe zur Wüste ist auch gleichzeitig das größte Manko. Häufige Stürme tragen Unmengen an Sand auf die Pisten, welcher an unseren geliebten Kanten knabbert wie ein Hase an einer Karotte. Somit wird das Carvinggefühl doch sehr von den stumpfen Kanten getrübt. Nichtsdestotrotz ist es einzigartiges Gefühl, in dieser Gegend Schwünge in die Pisten zu schneiden.

Carvingpunkte 7/10


Kärnten, Simonhöhe (Österreich)

„Da komm i her, da g‘hör i hin“, singt schon Reinhard Fendrich – einer der bekanntesten Austro-Pop-Stars – in seiner Hymne „I am from Austria“. Auch für uns ist es immer noch etwas ganz Besonderes, in der Heimat zu trainieren und unseren Sport auszuüben. Die meisten Snowboarder aus Kärnten haben im Mittelkärtner Skigebiet „Simonhöhe“ ihre ersten Schwünge in den Schnee gezogen und auch recht schnell feststellen müssen, was der landläufige Begriff „knackig“ bedeutet. Aufgrund der geringen Höhenlage in dieser Region und der hohen Anzahl an Sonnenstunden im Verhältnis zur Menge an Naturschnee taut die Oberfläche sehr oft gering auf und friert über Nacht wieder an. Das führt zu einer konstanten Verdichtung der Oberfläche. Mit anderen Worten, es wird etwas eisig. Wenn man sich erst mal daran gewöhnt hat, ist jedoch der zu generierende Speed ungleich höher wie in anderen Gebieten und als Raceboarder ist Speed doch etwas immer gern Gesehenes.

Carvingpunkte 8/10

Kärnten, St.Oswald

Auch ein zweites Kärntner Skigebiet schafft es unter unsere Top Skiresorts. Nicht weit vom legendären Bad Kleinkirchheim lieg das beschauliche St. Oswald. Wo sich im Sommer die Almkühe tummeln, versteckt sich eines der besten Carving-Gebiete Österreichs. Extra breite Piste, perfektes Gefälle und das alles mit den Nockbergen im Rücken. Carver-Herz was willst du mehr? Vielleicht noch einen Zirbenschnaps mit Östereichs Olympia-Held Franz Klammer? Sogar das ist hier möglich.

Carvingpunkte 8/10

Phenix Park (Korea)

Wenn man einmal in seinem Leben mehr Snowboarder auf Pisten als Skifahrer sehen will, dann ab in das Land von Samsung und KIA. Keine andere Nation bietet eine so hohe Dichte an Snowboardern und vor allem an Carvingfreaks. Hier ist man als echter Pistencarver noch unter sich und die Schneequalität ist grenzgenial. Wer hier nicht carven kann, der lernt es auch nicht mehr.

Carvingpunkte 9/10


Kayseri (Türkei)

Ja, sie lesen richtig: Türkei. Das Land hat abseits von Istanbul und der türkischen Mittelmeerküste auch in schneetechnischer Hinsicht einiges zu bieten. Das Skigebiet von Kayseri gehört zu den größten des Landes und ist als Skitourenparadies bekannt. Landschaftlich ist die Gegend der absolute Hammer und mit seiner Nähe zum UNESCO Weltkulturerbe „Kappadokien“ immer eine Reise wert. Die Schneebeschaffenheit auf den Pisten ist hier schon eher etwas differenzierter zu betrachten. Meistens wechseln sich Warm- und Kaltphasen in der Region unangemeldet ab und führen zu unvorhersehbaren Pistenverhältnissen. Was den Freerider freut, treibt uns oftmals Sorgenfalten auf die Stirn. Deswegen ist dieses Gebiet eher etwas für den Genießer und nicht für den kompromisslosen Schräglagenjunkie.

Carvingpunkte 5/10


Alex Payer am Heimweg


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